Donnerstag, 1. März 2012

Kaiserschnitt und immer wieder Kaiserschnitt...

Ich bin wirklich demoralisiert. Mein ganzes Herzblut als Doula stecke ich - und viele meiner Kolleginnen in allen Industrienationen dieser Welt - in die "Kaiserschnittvermeidung".

Wir kämpfen gegen leichtfertige, voreilige, unnötige und eingeredete Kaiserschnitte. Versuchen "unseren" Frauen Mut zu machen, Ihrem Körper und der Natur der Sache zu vertrauen.
Und doch kommen wir gegen die immer weiter steigenden Kaiserschnittraten in unseren Ländern nicht an.
Irgendeinen Grund gibt es letztendlich immer, den Frauen die Notwendigkeit einer Schnittentbindung zu "verkaufen":
das Kind wäre zu groß, das Kind wäre zu klein, das Fruchtwasser zu viel, zu wenig oder zu trüb, das Becken vielleicht zu schmal, die Frau wahrscheinlich zu klein, der Vater zu groß, das Kind zu schwer, der Kopf zu groß, die Kindslage nicht ideal, der errechnete Geburtstermin schon 7 oder 10 Tage überschritten... Gründe, oder Pseydogründe, könnte ich hier unendlich aufzählen...

Natürlich willigt eine hochschwangere Frau ein, wenn ihr derart Angst gemacht wird. Angst um ihr Kind, Angst vor der Geburt, Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen.

Und wie oft erleben wir es, daß die angeblich für eine vaginale Geburt zu schweren Kinder nach dem Kaiserschnitt dann kaum 3000g auf die Waage bringen und die Frauen monatelang -mache ihr Leben lang- mit dem Kaiserschnitt hadern - ja trauern um eine entgangene Geburt.

Wie konnte es soweit kommen, daß die Kaiserschnittrate in Deutschland längst jenseits der 30% angekommen ist? Wo längst erwiesen ist, daß die tatsächlich notwendige Rate nur bei 5-10% aller Geburten liegen würde?

Nur um es klarzustellen: ich bin heilfroh, daß es die Möglichkeit des Kaiserschnitts gibt für tatsächliche, geburtshilfliche Notfälle, wo er Leben rettet- mütterliches wie kindliches.

Doch die Grenzen zwischen Notfällen und übervorsichtiger Absicherung, ja manchmal sogar Bequemlichkeit des medizinischen Personals, scheinen nicht mehr ganz klar definiert zu sein.

Wo geht sie hin, die Geburtshilfe in Deutschland?

Ist das der Preis für die fürchterliche Situation der Hebammen in unserem Land?

Wo Hebammen- gut ausgebildet die Fachfrauen für Geburt - mies bezahlt und ausgebeutet werden...?
Wo Mediziner mehr am finanziellen Wohlergehen ihrer Klinik / Praxis interessiert sind als am Wohlergehen der zu betreuenden Frauen..?

Nach 2 Kaiserschnittgeburten in Folge werde ich morgen wieder einen Kaiserschnitt begleiten. Ich werde versuchen, der werdenden Mama die Angst zu nehmen, ihr die Hand halten und die Stirn streicheln und werde ihr von ihrem Kind erzählen, das, während sie im OP versorgt wird, draußen von den Kinderärzten untersucht wird.
Und ich werde die nächsten Wochen alles dafür tun, daß diese Frau nicht trauert um die ihr entgangene vaginale Geburt.
Weil ihr Kind angeblich zu groß wäre...

Kommentare:

  1. achhhh...es tut mir soo leid das die Frauen heutzutage das ureigene Vertrauen in sich selber so verloren gegangen ist. Ich kann das nicht nachvollziehen. Gut jede werdende und meist sind das ja eh nur erstlingsmütter hat angst, aber da gibt es doch diese nette kleine Stimme im inneren, die wenn wenn man drauf hört einen schon gut zu lenken weis. Bei den Ärzten geht es doch nur noch ums Geld, eine normale Geburt bringt fast nix dauert aber viel länger, ein kaiserschnitt geht zügig und bringt viel geld im vergleich, solange das so ist wird sich da auch an der denkweise der Ärzte nix ändern. In unserer heutigen Zeit denkt jeder zu erst an sich und an seinen Geldbeutel....das werden wir wohl nicht ändern können. Ich habe 4 Kids, davon kam nur 1 als extrem Frühchen per Kaiserschnitt auf die Welt, auch wenn mir bei allen angeraten wurde einen kaiserschnitt in betracht zu ziehen konnte ich darüber nur lachen. Auch kann ich nicht verstehen wie sich die Frauen von wehen anfang wie eine Kranke ins Bettlegen und dann da auch gebären, das is mir zu anstrengend, warum gegen die schwerkraft arbeiten???? Und wenn ich bei meiner letzten auf die nette Ärtin gehört hätte und nicht auf meine innere stimme hätte ich meine tochter im Park als sturzgeburt geboren und nicht im kh...weil ich ja angeblich noch keine echten wehen hatte und viiiiiiiiiiiel zu entspannt war....tz....gut vertrauen in sich zu haben :-)

    lg Nicole

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  2. So isses!
    Deshalb ist es sooooo wichtig, die Eigentkompetenz und Selbstbestimmtheit von Mädchen und Frauen zu stärken. Das Vertrauen in ihren Körper dürfen wir unseren Töchtern und evtl. Enkelinnen vorleben, sie an unserem Wissen um die Stärke unseres Körpers teilhaben lassen und vielleicht die Möglichkeit geben, selbst einmal bei einer intensiv-kraftvollen, natürlichen Geburt beizuwohnen. Das prägt für's Leben!
    Und ich gehe noch weiter :-) lach*
    ALLE werdenden Hebammen und Ärzte in der Geburtshilfe sollten ein 4wöchiges Praktikum in einer Hebammenpraxis für Hausgeburtshilfe belegen, um VOR der Anwendung ihres medizinischen Wissens IMMER zu bedenken, dass sie Frauen stark machen und ihnen vertrauen müssen. Ein Arzt/eine Ärztin, der/die eine natürliche, selbstbestimmte Geburt erleben durfte, weiß um das Zusammenspiel der Hormone, dem sensiblen Vorgang, der Heiligkeit dieses Ereignisses. Und wird diese Erfahrung hoffentlich immer in seine/ihre Arbeit in der Geburtshilfe einbringen.
    lg
    Melanie

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